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Mein Weg - Interview

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Mein Weg - Interview
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Mein Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

 

Ein Interview zwischen Sieglinde Böhmer (Integrationsassistentin bei NIAB) und Tobias Meier

 

Tobias Meier ist Beschäftigter der Stephanus Werkstätten in Bad Freienwalde und wird seit September 2010 von NIAB – Netzwerk Integrationsassistenz Brandenburg unterstützt.

Im Rahmen des Projekts JobBudget wurde Tobias Meier von der Werkstatt dafür vorgeschlagen. Zu Beginn fand ein erstes Kennenlernen statt und es wurden gemeinsam mit Tobias Interessen, Stärken und Fähigkeiten erarbeitet. Mit der Integrationsassistentin von NIAB wurden mögliche Betriebe in der Region ausgewählt, in denen Tobias ein Praktikum machen könnte. Tobias absolvierte im November 2010 drei Schnuppertage in einer Tischlerei in Neulietze-göricke. Diese Schnuppertage wurden gemeinsam mit Tobias ausgewertet und weitere Schritte vereinbart.

Für ein längeres Praktikum wurde die Firma „Holz- und Dachbedarf Wriezen UG“ gewonnen. Hier konnte Tobias sein Praktikum Ende November 2010 antreten. Er fügte sich gut in das Team ein und versuchte, eine gute Arbeit zu machen. So wurde das Praktikum nicht wie geplant nach einer Woche beendet, sondern bis Januar 2011 verlängert. Aufgrund der Wintermonate mit weniger Kunden wurde mit dem Arbeitgeber und der Werkstatt besprochen, das Praktikum auf einen Tag in der Woche zu beschränken. So kam es, dass Tobias immer montags am „Projekttag“ von NIAB teilnahm, wo es ihm auch gefiel, und jeden Dienstag im Betrieb arbeitete. Den Rest der Woche war Tobias wie früher in der Werkstatt. Der Unterricht wurde genutzt, um mit Tobias verschiedene Holzbauarten und deren Eigenschaften kennen zu lernen. Ein weiterer Schwerpunkt war das Erlernen der Arbeitsschritte an der Biegemaschine um verschiedene Teile herzustellen. Es wurde auch über den Umgang mit Kritik gesprochen und das Verhalten gegenüber Arbeitgebern und Kollegen thematisiert. Im Mittelpunkt dieses Projekttages stand immer die Arbeit. Ende März 2011 wurde Tobias im Betrieb die ganze Woche gebraucht. Seitdem arbeitet Tobias in diesem Betrieb und macht eine gute Arbeit. Das eigentliche Ziel in der Zusammenarbeit mit Tobias war, dass er dort eingestellt wird und einen festen Arbeitsvertrag bekommt. Da die baulichen Voraussetzungen des Betriebes nicht geeignet sind, um eine Maschine speziell für Tobias aufzustellen, kam es bisher zu keiner festen Übernahme in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Dennoch hat Tobias im Betrieb „seinen Platz“ gefunden und fühlt sich dort sehr wohl. Dies zeigt das folgende Interview:

Sieglinde B.: Was war dein Wunsch nach der Schule?

Tobias: Einen Beruf erlernen und Geld verdienen.

Sieglinde B.: Was hast du in der Werkstatt für behinderte Menschen gelernt und gearbeitet?

Tobias: Als erstes war ich im Berufsbildungsbereich und dann in der Gärtnerei in Falkenberg (Grünanlagenpflege). Die Arbeit in der Grünanlagenpflege war wegen meiner Pollenallergie nicht so günstig. Deshalb wollte ich gern einen anderen Bereich ausprobieren.

Tobias_an_der_Kettensge

Tobias an der Kettensäge

 

 

Sieglinde B.: Wie nennt sich das Projekt, welches dich unterstützt hat und wie bist du dazu gekommen?

Tobias: Das Projekt heißt NIAB und unterstützt mich seit September 2010. Der Kontakt dorthin ist durch die Werkstatt zustande gekommen.

Sieglinde B.: Was hast du auf der Arbeit gelernt?

Tobias: Zuerst musste ich mich auf die verschiedenen Kollegen einstellen, wie gehen sie mit mir um und wie sprechen sie mit mir. Ich musste lernen, mich auf dem Betriebsgelände zu recht zu finden und schauen, wie die Arbeitszeiten und die Pausen sind. Ich wurde über Sicherheitsbestimmungen und über ausreichende Aufmerksamkeit auf dem Betriebshof belehrt. Ich habe verstanden, dass ich sehr aufmerksam sein muss, weil hier Transportmaschinen unterwegs sind und weil Kunden mit ihren Fahrzeugen zum Beladen auf den Hof fahren. Ganz wichtig war zu lernen, dass man zu Kunden höflich und freundlich ist, und wie ich Hilfe hole, wenn ein Kunde eine Frage hat, die ich nicht beantworten kann. Beim Beladen von Kundenmaterial muss die Ladung richtig festgemacht werden, und wenn etwas länger ist als der Anhänger oder das Fahrzeug, muss eine rote Fahne am Ende der Bretter oder Balken angebracht werden. Das mache ich gern, weil auf den Fahnen ein Firmenaufdruck angebracht ist, das macht mich stolz. Ich habe gelernt, in welchen Regalen welche Hölzer gelagert werden, indem ich mit meiner Integrationsassistentin in den Wintermonaten eine Inventurliste erstellt habe. Dadurch finde ich mittlerweile die richtigen Abmessungen ziemlich schnell. An der Hobelmaschine kann ich Hölzer abnehmen und die verschiedenen Maschinen kann ich von Holzspänen reinigen und alles fachgerecht entsorgen. Im Lager für Zusatzmaterial kenne ich mich gut aus. Das habe ich gelernt, weil das Lager mit neuen Regalen umgebaut wurde und ich dabei helfen durfte. Ordnung im Lager gefällt mir. Unordnung ärgert mich manchmal, aber meine Kollegen müssen oft sehr schnell etwas holen, da kommt Unordnung schon mal vor. Ich darf auch an der mechanischen Biegemaschine arbeiten. Hier habe ich viele Biegeformen kennen und herstellen gelernt. Ich habe gelernt, wie man Trapezbleche herstellt und wie man damit einen LKW belädt.

Sieglinde B.: Was hast du im Unterricht gelernt?

Tobias: Im Unterricht habe ich verschiedenen Bauholzarten kennen gelernt und wo sie verwendet werden, z. B. für Carports. Ich habe etwas über Holzbearbeitungsarten gelernt. Vor allen Dingen lernte ich Bezeichnungen und Arbeitsschritte für die Formen, die ich später an der Biegemaschine herstellen sollte, das wurde auch am Modell geübt. Wir haben Arbeitsabläufe kennen gelernt und Aufgaben gerechnet und Texte geschrieben, die mit meiner Arbeit zu tun hatten.

Sieglinde B.: Wer hat dich bei deiner Arbeit unterstützt?

Tobias: Durch die Mitarbeiter meiner Firma habe ich auf dem Holzplatz viel über Holz und Trapezbleche gelernt. An der Biegemaschine hat mich ein älter sehr erfahrener Kollege eingearbeitet, beim Beladen arbeitet ich meist mit mehreren Kollegen zusammen, die mir viele Dinge zutrauen und mir die Aufgaben so geben, dass ich sie gut verstehe. Frau Böhmer von NIAB erkundigte sich immer bei meinen Kollegen nach neuen Aufgaben und versuchte, sie mir noch deutlicher und einfacher zu erklären.

Sieglinde B.: Was kannst du mittlerweile gut und was sagt dein Arbeitgeber zu deiner Arbeit?

Tobias: Den Umgang im Blechbereich mit dem Abkanten kann ich schon sehr gut und mein Arbeitgeber ist mit meiner Arbeit zufrieden. Er sagt manchmal, dass ich das genauso gut kann wie die anderen Kollegen. Auch findet er es gut, dass ich ordentlich bin und auch mal aufräume.

Sieglinde B.: Wie sind die körperlichen Anforderungen?

Tobias: Manchmal sind die körperlichen Anforderungen auch schwer und abends tun die Füße weh. Es gibt auch Frost- und Regentage, da muss man trotzdem raus, aber es geht auch. Wenn die Sonne brennt und es draußen heiß ist, muss man viel trinken.

Sieglinde B.: Was ist noch wichtig, um auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten zu können?

Tobias: Man muss sofort Anweisungen beachten. Man muss Ordnung schaffen und keine Unordnung. Man muss seine Arbeitsaufgaben gewissenhaft, fleißig und freudig erfüllen. Das Ergebnis der Arbeit muss gut sein. Man muss sich im Team einbringen und nicht abkapseln, aber auch nicht vorlaut sein. Man darf nicht zu spät kommen, den Arbeitsplatz früher verlassen oder die Pausen verlängern

Sieglinde B.: Wie fühlst du dich jetzt?

Tobias: Ich fühle mich jetzt auf der Arbeit sehr wohl, weil ich glaube, dass ich an dieser Stelle wichtig bin und meine Kollegen mich mögen. Ich finde es schön, dass viele verschiedene Kunden zu uns kommen und immer wieder neue Aufgaben auf uns warten. Meine Kollegen sind lustig und der Tag vergeht schnell. Ich trage genau wie meine anderen Kollegen Arbeitskleidung der Firma mit Firmenschild drauf, und zu Weihnachten haben wir vom Chef jeder eine schöne warme Weste bekommen.

Tobias_im_BaumarktTobias im Baumarkt

 

Wir, das NIAB-Team, wünschen Tobias weiterhin viel Freude an der Arbeit und dass seine Wünsche im privaten und beruflichen Bereich in Erfüllung gehen.